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Mit Perrine Lacroix präsentiert die Kunsthalle Krems erstmals eine künstlerische Position aus dem Programm AIR - ARTIST IN RESIDENCE Niederösterreich. Die Ausstellung bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe. Diese wird einmal im Jahr spannende Einblicke in Strategien und Arbeitsweisen internationaler Künstler/innen bieten, die sich mit einem Stipendium in Krems aufgehalten haben.

Die aus Lyon stammende Künstlerin Perrine Lacroix ist bereits bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, nicht nur in Frankreich, mit ihren multimedialen Installationen aufgefallen. Seit 2004 betreibt sie das Kunstzentrum La BF15 in Lyon und ist dadurch aktiv im internationalen Netzwerk zeitgenössischer Kunst involviert. Im April 2017 war sie im Rahmen ihres AIR - ARTIST IN RESICENCE Niederösterreich Stipendiums zu Gast in Krems.

In der Kunsthalle Krems beschäftigt sich Perrine Lacroix ausgehend von ihrem Aufenthalt mit den Grundvoraussetzungen für Ausstellungen und der Bedeutungsebene von Bildern und Objekten. Wie weit ist der Kontext oder Wissen notwendig, um Bilder lesen zu können, wenn man das überhaupt als relevant ansieht? In Krems hat sich die Künstlerin fotografisch der Stadt, der Umgebung und ihren Besonderheiten angenähert. Vor allem der öffentliche Raum ist das Territorium ihrer Kunst. Sie hat sich mit der Baustelle der Kunsthalle Krems, die zu dieser Zeit saniert wurde, befasst und mit der Foto- und Videokamera festgehalten. Die Fotos und Videos von den renovierten, leeren Ausstellungsräumen werfen die Frage nach der Aura und der Werkmächtigkeit auf, thematisieren gleichzeitig die Leerstelle.

Wie sehr Perrine Lacroix sich in Krems mit dem Begriff der Realität und ihrer Abbildbarkeit oder besser ihrer Repräsentanz in einer Ausstellung auseinandersetzt, zeigt sie mit einem seriell aufgestellten Objekt, das wiederum auf ihren Kremser Aufenthalt 2017 Bezug nimmt. Im Museum Krems entdeckte Lacroix ein Objekt: die sogenannte Venus (auch Fanny) vom Galgenberg, eine winzig kleine Statue aus prähistorischer Zeit, die in der Nähe von Krems gefunden wurde, eine der ältesten bekannten Venusfigurinen. In Krems ist allerdings nur eine Kopie zu sehen, das Original befindet sich im Naturhistorischen Museum Wien. Replikate gibt es auch in Museumsshops zu kaufen. Drei davon stellt Lacroix gleich in den ersten Raum ihrer Schau. Sie zeigen uns, wie Kulturgüter durch ihre Vermarktung vielfach verfügbar werden, und lassen uns darüber nachdenken, welchen Wert ein Original hat.

Für das Ausstellungsprojekt in der Kunsthalle Krems hat Perrine Lacroix auch eine Installation entworfen, die in monochromen rechteckigen Feldern Geschehnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges in Krems abstrahiert. Die farbigen Flächen werden zu bildhaften Kommentaren. In ihrer Recherche zur Geschichte von Krems stieß sie unweigerlich auf das Datum 06.04.1945, auf die sogenannte Kremser Hasenjagd, bei der, sehr kurz gefasst, gerade erst freigelassene (hauptsächlich politische) Gefangene der Haftanstalt Krems-Stein von Nationalsozialisten gejagt und in Massenerschießungen getötet wurden. Lacroix hat das historische Datum in der Google-Bildersuche eingegeben. Ist die Internetverbindung langsam, erscheinen bei der Google-Bildersuche die Ergebnisse zuerst kurz als Farbflächen. Diese sind sozusagen die Leerstellen für die Bildrealitäten und ihre Inhalte, die von Google algorithmisch zur Verfügung gestellt werden. Für Perrine Lacroix stehen diese Leerstellen für die komplexe Problematik von Sinn-Befüllung und die grundsätzliche Frage, was Bilder überhaupt vermitteln können. Sie hat daraus die Idee eines Memorials entwickelt, die sie in der Kunsthalle Krems in eine Rauminstallation übersetzt und auch im Stadtpark Krems auf einer Mauer realisiert.

 

Kurator: Andreas Hoffer

 

Credit
Google search AVRIL 45 KREMS, Wallpaintings, verschiedene Größen, 2017 © Perrine Lacroix

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