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crossover
Elmira Iravanizad / Krasimira Stikar
In Kooperation mit kunstraumarcade Mödling

Crossover – ursprünglich eine Vermischung  von verschiedenen (Musik-) stilen, bezeichnet etwas Verbindendes, ohne das Trennende zu verleugnen. Als die beiden für diese Ausstellung eingeladenen Künstlerinnen, Elmira Iravanizad (D/Iran) und Krasimira Stikar (BG,A) zum ersten Mal zusammentrafen, haben sie sich für diesen Titel ihrer Ausstellung entschieden.

Wie jedes Jahr haben wir, das Team von AIR und vom kunstraumarcade, überlegt, welche der Stipendiat/innen 2019 wir für eine Ausstellung einladen könnten. Diesmal fiel die Entscheidung auf Elmira Iravanizad, deren konsequenter Minimalismus uns überzeugte und die zum Beginn der Ausstellung schon zwei Monate zu Gast in Krems ist (Dezember 2018, Januar 2019). Ein durchaus wesentlicher Grund, da die Künstlerin ihren Aufenthalt als AIR-Stipendiatin für die Vorbereitung zur Ausstellung nutzen kann, aber auch genügend Zeit ist, um ganz allgemein über die eigene Arbeit zu reflektieren, abseits des Alltags – ein wichtiger Aspekt einer Residency. Auch die Vernetzung mit in Österreich lebenden und arbeitenden Künstler/innen ist ein Anliegen von AIR. So ist der Wunsch des kunstraumarcade, auch eine Position aus Österreich zu zeigen, durchaus im Sinne von AIR, durch das gemeinsam Projekt gibt es eine direkte Auseinandersetzung mit anderen künstlerischen Arbeitsweisen und Konzepten. Die Wahl traf auf Krasimira Stikar, deren minimalistischer Einsatz künstlerischer Mittel, insbesondere bei der Zeichnung, durchaus eine spannende vergleichende Betrachtung mit den Objekten und der Malerei von Elmira Iravanizad ermöglichen kann.

Die aus dem Iran stammende, in Berlin lebende Elmira Iravanizad arbeitet subtil an der Schnittstelle von Bild zum Objekt. Die oft fast monochromen Bildflächen der Malerei von Iravanizad werden durch organoide Farb/Formgebilde unterbrochen, die dem Bildgefüge Struktur und Akzentuierungen verleihen. Farbe wird meist sparsam eingesetzt. Die Malerei ist alles andere als flüchtig, gestisch, alles entwickelt sich aus einer fundierten Auseinandersetzung mit  Malerei und malerischen Techniken. Dazu entstehen Objekte, deren Formen sich aus der Malerei herausgelöst haben könnten. Sie wachsen scheinbar aus der Wand, oder liegen am Boden, losgelöst von Content und Kontext. Die Objekte bestehen meist aus Metall und Keramik, Verbindungen zweier ganz gegensätzlicher Materialien. Das wird von der Künstlerin noch unterstützt, Keramik nimmt bei ihr oft einen fast fließenden Charakter an – die monochrome Farbigkeit verbindet beides zum Objekt. Erst seit Iravanizad in Berlin lebt, arbeitet sie verstärkt mit Gelb, für sie charakterisiert diese Farbe auch den kulturellen Unterschied von Iran und Deutschland. Iravanizad realisiert alle Arbeiten für die Ausstellung während ihres Aufenthaltes in Krems.

In Dialog dazu treten die minimalistischen Zeichnungen der aus Bulgarien stammenden, in Wien lebenden Krasimira Stikar. Die Arbeiten entwickeln sich aus der Linie heraus. Sie scheinen spontan gesetzt und entstehen doch in einem gedanklichen Prozess der Auseinandersetzung mit Fläche, Linie, Bewegung. Stikar hat ursprünglich mit Animation begonnen, kommt also bei der Zeichnung von der Bewegung, dem Fluss der Zeit, bei der die Linie immer auch eine Aufgabe hat, im Verlauf der Bilder, die ein Ganzes ergeben, zu funktionieren. Aus dem digitalen Animationsfilm hat sich bei Stikar mit den Jahren das analoge Bild herausgeschält. Das bewegte Bild interessiert Stikar immer noch, auch wenn sie sich vermehrt der autonomen Zeichnung, dem autonomen Bild zugewendet hat, die Animation bleibt eine der Grundlagen für ihre künstlerische Arbeit. Daraus hat sich ergeben, dass besonders die Bewegung im Verbund mit dem Stillstand, der flüchtige Strich und die bewusste Setzung im Bildraum zu Themen ihrer Arbeit wurden. Punkt und Linie zur Fläche, um mit Wassily Kandinsky zu sprechen, charakterisieren die ruhigen, minimalistischen Zeichnungen von Krasimira Stikar.


Andreas Hoffer

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